Im Gespräch mit Urban von Klebelsberg aus Bozen hat Sabine Loh nach der Weinkultur in Südtirol gefragt. Was einen Wein wirklich ausmacht, beschreibt Urban von Klebelsberg unter anderem als ein Zusammenspiel von „Hardware“ und „Software“. Was das heißt? Neben den natürlichen Faktoren wie Boden, Klima und Lage braucht es ebenso das Können und Gespür der Winzer:innen, damit ein Wein echten Charakter und erkennbare Herkunft entwickelt. Der Klimawandel hat die Anbaugrenzen dabei spürbar verschoben – Weinbau ist heute in Südengland oder Südschweden z.B. möglich. Vor Jahrzehnten wäre das undenkbar gewesen.
Ein zentrales Thema ist außerdem die Bedeutung von Zeit und Geduld. Reben brauchen mindestens 20 Jahre, um ihr volles Potenzial zu entfalten und auch der fertige Wein benötigt Zeit, damit Aromen, Säuren und Gerbstoffe zu einem harmonischen Ganzen verschmelzen. Urban von Klebelsberg blickt zudem auf den Wandel des Weinmarkts zurück: vom alltäglichen Lebensmittel zum bewussten Genussmittel, mit sinkenden Erträgen, steigender Qualität und einem Trend zu Bio und Biodynamik. Gleichzeitig kritisiert er eine gewisse Uniformierung, die durch den Wunsch der Konsumentinnen und Konsumenten nach gleichbleibender Qualität.
Für ihn ist die Arbeit mit autochthonen Sorten, wie Lagrein dabei kein bewusstes Statement gegen Beschleunigung oder Massenkonsum, sondern schlicht der richtige Weg zu einem individuellen, lagentypischen Wein. Persönlich erinnert er sich besonders an die Verkostung eines edelsüßen Sylvaners aus dem Jahrgang 1920 als eine der schönsten Überraschungen seiner Laufbahn. Aktuelle Favoriten nennt er in dem vollständigen Interview.


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